Was ist Mastitis?
Mastitis ist eine Entzündung der Milchdrüse, die die Gesundheit und das Wohlbefinden von Wiederkäuern beeinträchtigt. Es handelt sich um eine häufige und schwerwiegende Erkrankung, die für Landwirtinnen und Landwirte erhebliche Einbußen bei der Milchproduktion und der Rentabilität zur Folge haben kann.
Mastitiden führen zu erheblichen Gewinneinbußen durch Milchgeldverluste infolge veränderter Milchzusammensetzung, erhöhten Tierarztkosten und der vorzeitigen Keulung betroffener Tiere. Sie werden in erster Linie durch Bakterien verursacht, obwohl auch Pilze (Hefen) eine Rolle spielen können. Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis und Escherichia coli. Die Erreger dringen über den Strichkanal während des Melkens oder auch über die Umwelt wie zB. Einstreu oder verunreinigtem Wasser in die Euter ein.
Mastitis kann in zwei Formen auftreten: klinisch und subklinisch
Klinische Mastitis
Zu den sichtbaren Anzeichen zählen Schwellungen, Rötungen, Erwärmung und Schmerzen des Euters sowie Veränderungen im Aussehen der Milch, wie beispielsweise Flocken oder Verfärbungen. In den schwersten Fällen kann eine klinische Mastitis für die Kuh tödlich sein.
Subklinische Mastitis
Diese Form verläuft schleichender und zeigt keine offensichtlichen klinischen Symptome. Sie wird in der Regel durch eine erhöhte somatische Zellzahlen in der Milch zum Beispiel in der MLP festgestellt.
Wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen von Mastitis
Geringere Milchproduktion: Infizierte Kühe produzieren weniger Milch, und die Milchqualität ist oft beeinträchtigt.
Behandlungskosten: Die Ausgaben für Antibiotika und unterstützende Maßnahmen können erheblich sein.
Vorzeitige Keulung: Betroffene Kühe müssen möglicherweise früher als geplant gekeult werden, was zum Verlust wertvoller Tiere führt.
Verminderte Fruchtbarkeit: Es ist bekannt, dass Mastitis die Reproduktionsleistung in Milchviehherden erheblich beeinträchtigt.
Schätzungen zufolge verliert jede vor dem Laktationsgipfel an Mastitis erkrankte Kuh 5 % ihrer Jahresleistung.¹ Weltweit beläuft sich die Menge an Milch, die nicht produziert oder verworfen wird, auf mehrere Milliarden Liter. In Europa beispielsweise werden die jährlichen Verluste aufgrund von Mastitis auf rund 1,6 Milliarden Liter Milch geschätzt. Infolgedessen werden mehr Tiere benötigt, um die gleiche Menge Milch für den menschlichen Verzehr zu produzieren, was zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen führt.
Quelle
¹ Puerto, M. A. et al. (2021): „The hidden cost of disease: I. Impact of the first incidence of mastitis on production and economic indicators of primiparous dairy cows.”Journal of Dairy Science, 104(8), S. 9009–9024.DOI: 10.3168/jds.2020-19522
Management und Prävention
Ein wirksames Management von Mastitis umfasst eine Kombination aus Behandlung und vorbeugenden Maßnahmen:
- Hygienemaßnahmen: Saubere und trockene Einstreu, korrekte Melkverfahren und die regelmäßige Reinigung der Melkausrüstung können das Infektionsrisiko senken.
- Regelmäßige Überwachung: Die regelmäßige Überprüfung der Zellzahlen und die Untersuchung von Mastitisproben können zur Früherkennung und Behandlung subklinischer Mastitis beitragen.
- Behandlung: Eine umgehende Behandlung von Mastitiden ist nicht nur aus Tierschutzsicht erforderlich. Je nach Schweregrad und Mastitishistorie kann eine antibiotische oder rein antiphlogistische Behandlung angezeigt sein (evidenzbasierte Mastitistherapie). Es muss jedoch darauf geachtet werden Antibiotikaresistenzen zu vermeiden. In einigen Fällen von nicht schwerer Mastitis ist die Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika allein eine wirksame Alternative zu Antibiotika.
- Impfungen: Auch Impfungen gegen Mastitiden sollten als Behandlungsoption in Betracht gezogen werden. Insbesondere bestandspezifische Impfstoffe, die individuell auf die Erregersituation in der Herde zugeschnitten sind, können helfen, den Mastitisdruck zu reduzieren, um an weitere Stellschrauben drehen zu können. Interesse an bestandsspezifischer Diagnostik zu Mastitis? – Hier kostenlos beantragen